Weitere Förderaktivitäten

Publikation: "Die Geschichte der Kunstakademie Düsseldorf seit 1945"

Foto: Norbert Opfermann
Foto: Norbert Opfermann

Professor Siegfried Gohr (li) und Professor Tony Cragg (re) überreichen ein druckfrisches Exemplar der Geschichte der Düsseldorfer Kunstakademie an die Vorsitzende der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Kunstakademie Düsseldorf e.V., Frau Dr. Friderike Bagel.
Die Freunde und Förderer haben die Entstehung des Buches wesentlich unterstützt und gefördert.
15. Februar 2014

Bericht zur Exkursion nach Basel

Klasse Katharina Fritsch, Wintersemester 11/12

Von: Thorsten Schoth, 7. Semester

Der Anlass unserer Exkursion war ein durch die Klasse Fritsch organisierter Vortrag im Wintersemester 2010/2011. Gehalten wurde dieser im Hörsaal der Akademie von Jacqueline Burckhardt, Mitherausgeberin der Zeitschrift „Parkett“ und künstlerische Beraterin der Novartis AG, wo sie zuständig für die Auswahl dauerhafter Kunstprojekte ist.

Sie referierte über einige von ihr ausgewählte Installationen auf dem Campus der Novartis und über die von Sigmar Polke geschaffenen Kirchenfenster in Großmünster.

Im Anschluss lud sie die Klasse Fritsch ein, in die Schweiz zu kommen, um uns mit einer exklusiven Führung den Campus und Polkes Arbeiten zu zeigen.

Dieser Einladung wollten wir folgen und planten zu den beiden Programmpunkten noch zusätzlich unter anderem das Schaulager und das Kunstmuseum zu besichtigen.

 

Sehr zur Freude der gesamten Klasse erhielten wir auf meine Anfrage finanzielle Unterstützung durch den Förderverein „Freunde und Förderer der Kunstakademie Düsseldorf“, der uns eine großzügige und willkommene Entlastung zur Verfügung stellte.

Foto: Eingang des Kunstmuseums
Eingang des Kunstmuseums

Wir begannen unser Programm mit dem Besuch des Kunstmuseums in Basel.

Die Führung geleitete uns in das Kupferstichkabinett, in dem sich eine Drucksammlung von über 300 000 Exemplaren befindet. Aus dem Kontingent wurde uns eine Auswahl von Arbeiten aus dem 15.-20. Jahrhundert gezeigt.

Unter anderem wurde uns ein beeindruckendes Selbstportrait von Hans Baldung im Alter von 17 Jahren, feinste Holzschnitte und für die Zeit erstaunlich freie Tuschezeichnungen von Urs Graf gezeigt.

Aber auch Klassiker wie Holbein, Rembrandt, Böcklin, Klee und Cezanne wurden präsentiert.

Besonders spektakulär war „das Grabtuch der Veronika“ von Claude Mellan, das mit nur einer in einer Spirale verlaufenden Linie unterschiedlicher Dicke eine Abbildung von Jesus Christus bildet.

Abgeschlossen wurde die Vorführung mit Arbeiten von Markus Rätz.

Am nächsten Tag besuchten wir ein weiteres Mal das Kunstmuseum, diesmal genossen wir eine Führung durch die Ausstellung der Max Beckmann Landschaften.

Von Beckmann, den man eigentlich gar nicht als Landschaftsmaler kennt, wurde eine breite Masse eben selbiger Arbeiten in der obersten Etage präsentiert.

Wichtigster Bestandteil dieser Arbeiten war Beckmanns Leidenschaft für das Reisen. So tauchten in seinen Bildern immer wieder Hinweise auf, von welchen Orten sich der Maler hat inspirieren lassen, denn die Gemälde sind erst in Rekonstruktion im Atelier entstanden mit Hilfe seiner Erinnerungen oder Postkarten.

Besonders interessant fand ich die Komposition der Arbeiten, die einerseits den Betrachter über seinen genauen Standpunkt im Unklaren ließ und andererseits ihm den Zugang zum Bild erschwerte. Beckmanns Farbauswahl ist mir genauso positiv aufgefallen, im Gegensatz zu seinem Farbauftrag, der mir zu grob, zu hart und zu kratzig war.

Nach der Führung nahmen wir uns noch die Zeit und besichtigten eigenständig den restlichen Teil des Kunstmuseums. Aus der Sammlung des Museums sind besonders in meinem Gedächtnis hängen geblieben: die zahlreichen Altarbilder aus der Renaissance und die holländischen Stillleben, sowie aus der Ausstellung „Künstlerfreundschaften“ die Arbeiten von Claes Oldenburg und Bruce Nauman

 

Am 3. Tag unserer Exkursion stand der Hauptprogrammpunkt auf dem Plan – die Besichtigung des Novartis Campus. Jacqueline Burckhardt ermöglichte es speziell für uns, den Campus als Besuchergruppe zu besichtigen, was nur in Ausnahmefällen möglich ist.

In unserer Begleitung war Maja Oeri, Kunstsammlerin und Gründerin des Schaulagers.

Der Campus besteht hauptsächlich aus Labor- und einigen Bürogebäuden. Die meisten Kunstprojekte befanden sich im Außenbereich, schlängelten sich an den Fassaden entlang oder schafften Freiräume.

Im Eingansbereich empfing uns eine komprimierte Version der Rheinlandschaft bestehend aus einem großen geschwungenen Weg, zu dem mehrere kleine führten. Die einzelnen Pfade waren aus gefunden Flusssteinchen gepflastert. Der große Weg leitete uns in einen kleinen Birkenwald hinein an dessen Ende man von einem knalligen Schablonenzaun von Alan Fletcher empfangen wurde.

Besonders interessant war der Zaubergarten von Lori Anderson. Sie arbeitete mit Lautsprecherinstallationen in und um Bäume und mit durch Bass zum Vibrieren gebrachten Platten. So schuf sie eine kleine magische Welt inmitten einer von der Wissenschaft bestimmten Umgebung.

Teilweise erstreckten sich die Kunstprojekte auch innerhalb von Gebäuden, strukturierten die Eingangsbereiche oder sprengten die Grenzen zwischen den einzelnen Wandflächen.

So wäre hier besonders erwähnenswert einmal Katharina Grosses Arbeit in der Mensa, die eine mehrere Wände übergreifende Farbkomposition schuf.

Und einmal Sigmar Polkes Pyridsonnen-Arbeit, bestehend aus 365 Katzengoldscheiben, die je nach Wetterlage eine unterschiedliche Atmosphäre in der Räumlichkeit schufen, aber auf jedenfall immer sehenswert waren.

Foto: Beispiel eines Polke Fensters
Beispiel eines Polke Fensters

Am darauffolgenden Tag traten wir unseren Tagesausflug nach Zürich an, um dort die Kirchenfenster von Sigmar Polke in Großmünster zu besichtigen.

Auch hier wurden wir wiederum von Jacqueline Burckhardt empfangen, die uns durch die Kirche führte und Schritt für Schritt die Entstehungsgeschichte der Polke Fenster und seine biblischen und kunsthistorischen Bezüge veranschaulichte.

Meiner Meinung nach gehören diese Fenster mit zu den schönsten, die ich bisher gesehen habe. Sie verliehen dem Kirchraum eine wundervolle transzendente Atmosphäre, die ein übersinnliches Sein spürbar machte.

Foto: Eingang zum Schaulager
Eingang zum Schaulager

Am letzten Tag der Fahrt stand die Führung durch das Schaulager an - mein persönliches Highlight.

Der Grundgedanke hinter dem Schaulager besteht darin, dass, anders als in üblichen Lagern, die Kunstwerke nicht in Kisten verpackt und verstaut sind, sondern diese wie in einer Ausstellungssituation in verschiedenen Räumen präsentiert werden.

Hierbei bildet die Emmanuel-Hoffmann-Stiftung das Fundament des Schaulagers, welche von Maja Sacher gegründet wurde und es sich zum Ziel machte, Kunst der Gegenwart zu sammeln.

Maja Oeri, Enkelin von Sacher und Erbin dieser Sammlung, gab 2003 dem Architektenduo Herzog & de Meuron den Auftrag für das Schaulager.

Seitdem wächst die Sammlung weiter und präsentiert sich einmal im Jahr mit einer öffentlichen Ausstellung, wofür das komplette Kellergeschoss vorgesehen ist, in dem sich außerdem noch zwei Dauerausstellungen von Katharina Fritschs „Rattenkönig“ und einer unbetitelten Rauminstallation von Robert Gober befinden. Allein schon wegen dieser beiden Arbeiten lohnt sich der Besuch im Schaulager.

Neben diesem einen Ausstellungstermin für die Öffentlichkeit ist das Lager nur mit vorheriger Anmeldung und Führung zugänglich.

Außer durch das Kellergeschoss wurden wir durch Lagerräume mit den Ursprüngen der Sammlung, einer Kollektion expressionistischer Bilder, und Räumen mit Arbeiten z.B. von Jeff Wall, Katharina Fritsch und Fischli und Weiß geführt.